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Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
Muslime, die an den Verheißenen Messias und
Imam Mahdi, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad
Qadiani (as), glauben.

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Leipzig - Putsch am Bau

Datum: 12. Dezember 2013

Plötzlich protestiert die angeblich so weltoffene Stadt Leipzig gegen eine neue Moschee. Was ist da los?

Said Arif nimmt manchmal auch für kurze Strecken das Auto, und mitunter lässt er auch einfach seine Frau fahren. Als der junge Imam in Leipzig zu hören bekam, im Islam sei es Frauen verboten, am Lenkrad zu sitzen, bat er seine Frau, zur nächsten Veranstaltung mitzukommen. "Dann konnte sie selbst sagen, dass sie selbstverständlich einen Führerschein hat und mit unserem Auto unterwegs ist. Das hat viel mehr Wirkung, als wenn ich für sie spreche."

Der Geistliche muss sich gerade vielen Themen dieser Art stellen. Seine Gemeinde will im Leipziger Stadtteil Gohlis eine Moschee bauen. Es wäre die erste sichtbare Moschee in den neuen Ländern. Noch ist das vorgesehene Grundstück eine Brache an der verkehrsreichen Georg-Schumann-Straße nördlich des Zentrums. Said Arif gehört zur Ahmadiyya-Gemeinde. Diese hat deutschlandweit rund 35.000 Mitglieder und wurde in diesem Jahr als erste muslimische Gemeinde in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Sie beschreibt sich selbst als reformorientiert, man lehne Gewalt ab und sei für die Gleichstellung von Männern und Frauen – nicht nur beim Autofahren.

Rund 70 Mitglieder hat die Ahmadiyya in Leipzig. Bisher beten sie in einer angemieteten Dreizimmerwohnung. "Jede Gemeinde möchte eine ordentliche Gebetsstätte haben statt einer Wohnung", sagt Arif. Die Moschee in Leipzig sei wichtig, um "sichtbarer zu werden und nicht im Hintergrund zu leben".

Seit das Bauprojekt bekannt ist, tobt darum eine Abwehrschlacht. Eine Internetpetition gegen den Bau fand innerhalb eines Monats fast 4.000 Unterstützer, auf der Facebook-Seite der Bürgerinitiative "Gohlis sagt Nein" kann man vieles lesen über Überfremdung und islamische Unterwanderung, über Politiker, die nicht auf den Willen ihres Volkes hörten, über die Wertminderung der Grundstücke und Häuser in Moschee-Nähe. Erwartungsgemäß protestiert die NPD, die in Sachsen im Landtag sitzt, lautstark. Mit Flugblättern, Demonstrationen und einem Antrag mit dem Titel Schöner leben ohne Moscheen versucht sie seit Wochen, Stimmung zu machen. Dass das Gebetshaus zwei zwölf Meter hohe Minarette haben soll, gilt den Gegnern als Beweis für den Welteroberungsdrang der Gemeinde. Auf der Facebook-Seite wurde angeregt, einfach "ein paar Schweine" über das Gelände zu jagen. Mitte November spießten Unbekannte tatsächlich dort Schweineköpfe auf Holzpflöcke.

"Diese Eskalation des Hasses habe ich nicht vorhergesehen", sagt Katrin Viola Hartung. Die CDU-Lokalpolitikerin hatte die Petition privat ins Leben gerufen und zunächst mit der Bürgerinitiative Gohlis sympathisiert. Doch je deutlicher deren Hetze wurde, desto mehr sei sie erschrocken, sagt Hartung. Inzwischen hat sie sich von ihren früheren Mitstreitern distanziert. An einer offenen Auseinandersetzung sei denen gar nicht gelegen, glaubt sie. NPD-Chef Holger Apfel hatte behauptet, Hartung werde von ihrer eigenen Partei wegen ihrer Kritik an der Moschee unter Druck gesetzt. "Da standen mir die Haare zu Berge", sagt die CDU-Frau. Sie wolle nicht länger als Moschee-Gegnerin in Erscheinung treten. An der Übergabe der Petition, die sie selbst ins Netz gestellt hatte, werde sie sich nicht beteiligen. Ihre Skepsis gegenüber der Ahmadiyya bleibt jedoch. "Die Fragen etwa zur Zwangsehe und Züchtigung der Frau oder zum Antisemitismus, die ich gegenüber der Gemeinde habe, konnte mir bislang niemand beantworten."

Die sächsische Union sucht noch nach einer Haltung zur Moschee: Der Leipziger CDU-Chef Robert Clemen betont zwar, Katrin Viola Hartung habe "keinerlei Sprachfunktion" für seine Partei und werde "nicht einmal für den Stadtrat aufgestellt". Doch für die Moschee plädiert auch er nicht: Sie passe nicht ins Stadtbild, könne aber "wunderbar woanders" gebaut werden. Sich wegen der Schweineköpfe an Solidaritätsveranstaltungen mit den Moschee-Befürwortern zu beteiligen lehnt Clemen ab: "Ich werde mich nicht auf ein Forum mit Vertretern der Linkspartei setzen, die vor 23 Jahren alles bekämpft haben, was religiös war."

Vertreter der Stadt und der Kirchen, Bürgervereine und andere Parteien hingegen wollen gemeinsam die Stimmen der Hetzer übertönen und verhindern, dass das Bild eines fremdenfeindlichen Leipzig um die Welt geht. "Natürlich" könne die Moschee errichtet werden, sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), es gebe keine Basis für eine Ablehnung des Bauantrags. Und für den SPD-Landtagsabgeordneten Holger Mann ist die freie Religionsausübung ein so hohes Gut, "dass dafür auch die atheistische Mehrheit in dieser Stadt" streiten müsse. Der NPD bescheinigte er, sie sei, kaschiert hinter baurechtlichen Einwänden, "so platt islamfeindlich" und ihr "Antrag so verfassungs- und gesetzeswidrig, dass es quietscht".

Gerd Klenk, 64, ahnte schon früh, dass die Pläne der Ahmadiyya in seinem Viertel für Unruhe sorgen würden. Er leitet den Bürgerverein Gohlis, er hat als Aussiedlerberater gearbeitet und engagiert sich auch im "Netzwerk Integration" seiner Stadt. Klenk weiß aus Erfahrung, dass viele Leipziger nicht so weltoffen und tolerant sind, wie es die Stadt in ihrer Außenwerbung suggeriert. "Viele haben keine Anknüpfungspunkte an fremde Kulturen, geschweige denn den Islam", sagt er. "Die erleben in ihrem direkten Umfeld keinen einzigen Migranten, alle Informationen, die sie haben, stammen aus dritter Quelle." Und es gebe eine große Unachtsamkeit in der Sprache. "Da fallen schnell Begriffe, die rassistisch sind – aber das ist den Leuten häufig gar nicht bewusst. Wenn man diese Leute dann in die rechte Ecke rückt und es ablehnt, mit ihnen zu sprechen, dann treibt man sie in die Arme der NPD."

57 Prozent der Ostdeutschen fühlen sich durch den Islam bedroht, so war es gerade im Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung zu lesen. Für diese Mehrheit muss ein Weg gefunden werden, wie sie sich mit einer Moschee vor der Haustür arrangieren kann. Dass die Leipziger Stadtverwaltung sich in ihrer Entscheidung zum Bauantrag von den Ressentiments beeinflussen lässt, gilt als ausgeschlossen.

Gerd Klenk sieht es als Aufgabe des Bürgervereins, zwischen Anwohnern und Moschee-Gemeinde zu moderieren. "In die offenen Informationsveranstaltungen holen Sie vor allem die Älteren nicht, die skeptisch oder ängstlich sind. Wenn Sie für die aber Treffen organisieren, bei denen eine überschaubare Zahl von Gohlisern den Ahmadiyya-Leuten Fragen stellen kann, klappt das gut." Daher beantwortet auch Said Arif wieder und wieder dieselben Fragen, nach der Frauenfeindlichkeit des Islam und nach dem Verhältnis zur Gewalt. Der Imam ist als Kind pakistanischstämmiger Eltern in Wiesbaden aufgewachsen. Es verblüfft ihn, wie wenig man in Leipzig über seine Religion weiß. "Etwa wenn ich nach meiner Bibel gefragt werde oder Leute davon ausgehen, wir würden die Scharia einführen wollen. Dann wird mir deutlich, dass die Menschen generell wenig Berührungspunkte zur Religion haben. Das allgemeine Image des Islam trägt nicht dazu bei, dass die Vorurteile schwinden."

Für Unkenntnis und Ängste habe er Verständnis, sagt Arif. Es ärgere ihn, wenn Moschee-Gegner damit argumentieren, die Ahmadiyya-Angehörigen seien keine "echten Muslime", und so einen vermeintlichen Konflikt der Gemeinden untereinander konstruieren: "Mein Eltern sind aus Pakistan geflohen, weil man sie wegen ihrer Religion angegriffen hat. Nach Deutschland sind sie wegen der Religionsfreiheit gegangen."

Die Ahmadiyya-Gemeinde erlebt nicht zum ersten Mal Vorbehalte gegen eines ihrer Projekte. Als sie vor mehr als fünf Jahren eine Moschee in Berlin-Heinersdorf baute, wütete dort eine Bürgerinitiative – mit NPD-Unterstützung – gegen das Vorhaben. "Der Unterschied zu damals ist der, dass wir in Berlin keinerlei Unterstützung hatten und mit dem Rücken zur Wand standen", erinnert sich Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya Deutschland, "in Leipzig ist das anders. Hier gibt es einen funktionierenden Diskussionsprozess, man weiß mit der NPD umzugehen. Das begeistert mich."

Irgendwann, glaubt Wagishauser, könnte in Sachsen der gleiche Gewöhnungsprozess einsetzen wie im Ruhrgebiet oder in Berlin. Kleinigkeiten machen ihm Hoffnung: "Über unsere Gebete in der Dreizimmerwohnung", sagt er, "haben sich die Nachbarn noch nie beschwert."

Hinweis: Dieser Inhalt ist lediglich ein Verweis auf einen extern (nicht auf dieser Website) veröffentlichten Medienbericht. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland übernimmt in inhaltlichen Angelegenheiten zu diesem Artikel keine Verantwortung.

Quelle: Originalartikel lesen

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