Hadhrat Khalifat-ul Masih V (atba) sagte dazu:
„So wie es in anderen Religionen alle möglichen Vorstellungen über Himmel und Hölle gibt, haben auch Muslime aufgrund eines Missverständnisses der Aussagen des Heiligen Qur’an und der Ahadith über Himmel und Hölle und aufgrund ihrer wörtlichen Auslegung falsche Vorstellungen entwickelt. Der Heilige Qur’an und die Ahadith haben jedoch lediglich bildhafte bzw. allegorische Beschreibungen von Himmel und Hölle gegeben, damit der Mensch sie verstehen kann. Die Begriffe, mit denen Himmel und Hölle beschrieben werden, werden als Metaphern verwendet, hinter denen sich eine andere, tiefere Wahrheit verbirgt.
Neben diesen bildhaften Beschreibungen heißt es im Heiligen Qur’an:
فَلَا تَعْلَمُ نَفْسٌ مَا أُخْفِيَ لَهُمْ مِنْ قُرَّةِ أَعْيُنٍ جَزَاءً بِمَا كَانُوا يَعْمَلُونَ
„Doch niemand weiß, was für Augenweide für sie verborgen ist als Lohn für ihre Taten.“ (Sure as-Sajdah, 32:18)
Ebenso wird in einem Hadith überliefert, dass der Heilige Prophet (saw) über die Gaben des Paradieses sagte:
مَا لَا عَيْنٌ رَأَتْ وَلَا أُذُنٌ سَمِعَتْ وَلَا خَطَرَ عَلَى قَلْبِ بَشَرٍ
„Kein Auge hat je etwas Derartiges gesehen, kein Ohr hat je davon gehört und kein menschliches Herz hat sich etwas Derartiges vorstellen können.“ (Sahih al-Bukhari, Kitab Badʾ al-Khalq)
Tatsächlich sind Himmel und Hölle eine Widerspiegelung des Glaubens und der Taten dieses Lebens. Sie sind nichts völlig Neues, das von außen zum Menschen kommt. Vielmehr entsteht das Paradies des Menschen aus seinem Inneren. Es sind sein eigener Glaube und seine guten Taten, deren Freude er bereits in diesem Leben zu erfahren beginnt. Die Gärten des Glaubens und der guten Taten werden auf subtile Weise sichtbar. Ebenso werden auch Flüsse auf diese Weise sichtbar. Diese selben Gärten wird der Mensch im Jenseits in noch intensiverer Weise erfahren.
Daher heißt es im Heiligen Qur’an über die Bewohner des Paradieses:
كُلَّمَا رُزِقُوا مِنْهَا مِنْ ثَمَرَةٍ رِزْقًا قَالُوا هَذَا الَّذِي رُزِقْنَا مِنْ قَبْلُ وَأُتُوا بِهِ مُتَشَابِهًا
„Wann immer ihnen von den Früchten daraus gegeben wird, werden sie sprechen: „Das ist, was uns zuvor gegeben wurde.“ (Sure al-Baqarah, 2:26)
Der Verheißene Messias (as) erläuterte die Realität von Himmel und Hölle folgendermaßen: „Dem Heiligen Qur-ân gemäß sind beide, Himmel und Hölle, das Abbild und die Manifestation des menschlichen Lebens auf Erden. Sie stellen nichts Materielles dar, was von außen her käme. Sie werden zwar sichtbar erscheinen, sind aber in der Tat die Verkörperung und Zurückstrahlung unserer geistigen Zustände in dieser Welt. Wir glauben an kein materielles Paradies, wo Bäume wie hier auf Erden gepflanzt werden, noch an eine Hölle, die wirklich Schwefel usw. ausströmt. Nach der islamischen Glaubenslehre sind Himmel und Hölle vielmehr Abbilder unserer Taten.“ (Die Philosophie der Lehren des Islam, S. 190-191)