Islamische Gelehrte definieren Extremismus als jede Form von Übertreibung oder radikaler Abweichung von den grundlegenden Prinzipien des Islam, die auf Mäßigung, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit basieren. Der Qur'an weist ausdrücklich darauf hin, dass Muslime eine „gemäßigte Gemeinschaft“ sein sollen: „Und so haben Wir euch zu einer gemäßigten Gemeinschaft gemacht, damit ihr Zeugen für die Menschen seid“ (2:143). Diese Beschreibung unterstreicht, dass das islamische Weltbild weder radikalen Eifer noch Gleichgültigkeit toleriert.

Der Prophet Muhammad (saw) warnte seine Anhänger oft vor den Gefahren der Übertreibung, sogar in religiösen Angelegenheiten. In einem Hadith sagte er: „Hütet euch vor Übertreibung in der Religion, denn diejenigen vor euch wurden dadurch zerstört.“ (Sunan an-Nasa'i). Dies zeigt, dass Übertreibung nicht nur zur individuellen Selbstzerstörung führen kann, sondern auch die soziale Ordnung und das friedliche Zusammenleben gefährdet.

Extremismus im Islam wird nicht nur als spirituelle Fehlentwicklung, sondern auch als soziales Problem gesehen, da er die Balance stört, die die islamische Lehre zwischen individueller Frömmigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung herstellt. Der Islam sieht wahre Frömmigkeit nicht in übertriebenen Handlungen, sondern im aufrichtigen Bemühen, den Willen Gottes zu erfüllen, ohne andere zu schädigen oder zu verurteilen. Extremismus widerspricht daher direkt der universellen Botschaft des Islam, der die Harmonie zwischen Gerechtigkeit, Mitgefühl und Frieden betont.