Ein Dozent der Jamia Ahmadiyya sandte seiner Heiligkeit, Amirul-Mu’minin, Khalifatul Masih Vaa, einen von ihm verfassten Artikel mit dem Titel „Eine Kritik an Sahih al-Bukhari“ und bat um Wegweisung.
In seinem Schreiben vom 13. Juli 2023 gab Huzoor-e-Anwaraa einige grundlegende Anweisungen zur Recherche eines Themas und zum Verfassen von Artikeln. Huzoor-e-Anwaraa schrieb:
Was die Ahadith betrifft – ob aus Sahih al-Bukhari oder einem anderen Werk –, so ist die Entscheidung über ihre Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit durch den Gerechten Schiedsrichter (Hakam ‘Adl) dieser Zeit, den Verheißenen Messiasas, bereits grundsätzlich getroffen worden. Als zuverlässig akzeptieren wir nur den Hadith, der mit dem Heiligen Koran und der prophetischen Sunna übereinstimmt; und jeden Hadith, dessen Inhalt der Lehre des Heiligen Korans oder der Sunna des Heiligen Propheten(sa) widerspricht, lehnen wir hinsichtlich seiner Zuverlässigkeit ab, es sei denn, eine Auslegung (ta’wil) oder eine Harmonisierung (tatbiq) ist möglich, die ihn aus dem Gegensatz zu Koran und Sunna herausführt. Der Verheißene Messiasas hat dies an vielen Stellen dargelegt; sein hervorragender Traktat Al-Haqq Mubāhathah Ludhiyāna kreist vollständig um dieses Thema.
In Ihrem Artikel haben Sie – wie in früheren Büchern – die Zahl der in Sahih al-Bukhari kritisierten Ahadith aufgeführt und verschiedene Statistiken zu dieser Kritik zusammengestellt. Welchen Nutzen hat dies, außer dass diese Zahlen an einem Ort gesammelt wurden?
Sie sind – wie Sie selbst schreiben – Dozent für Hadith an der Jamia Ahmadiyya und haben sich fünf Jahre lang im Fach Hadith spezialisiert. Angesichts Ihrer Qualifikation sollten Sie jede einzelne dieser Kritiken erforschen und Abhandlungen im Lichte des Heiligen Korans, der Ahadith des Gesandten Allahs(sa) und der Ausführungen des Gerechten Schiedsrichters, des Verheißenen Messiasas, verfassen. Erweist sich bei einer Kritik die Position der klassischen Gelehrten als zutreffend, so ist diese im Licht dieser Grundquellen weiter zu erläutern. Sollte ihre Position der Korrektur bedürfen, ist eine Widerlegung ihres Standpunktes – wiederum im Lichte derselben Grundquellen – vorzulegen.
Ferner sollten Sie sich nicht auf jene Ahadith beschränken, die von früheren Gelehrten als kritikwürdig bezeichnet wurden. Untersuchen und diskutieren Sie auch solche Ahadith aus Sahih al-Bukhari kritisch, die Hadith-Gelehrte früherer Zeiten als zuverlässig einstuften, die jedoch nach dem vom Verheißenen Messiasas festgelegten Kriterium einer kritischen Prüfung (jarh) bedürfen. Beispielsweise der Hadith in Sahih al-Bukhari: مَنْ بَدَّلَ دِينَهُ فَاقْتُلُوهُ – „Wer seine Religion wechselt, tötet ihn.“ Dieser Hadith steht in klarem Widerspruch zu der im Heiligen Koran dargelegten Lehre. Ebenso hat Imam Bukhari in seinem Werk ein Kapitel eingerichtet mit der Überschrift: إِذَا جَامَعَ ثُمَّ عَادَ وَمَنْ دَارَ عَلَى نِسَائِهِ فِي غُسْلٍ وَاحِدٍ. Die Übersetzung lautet: Wenn jemand den Beischlaf vollzogen hat und dann zu einer anderen Frau zurückkehrt – und wer bei mehreren seiner Frauen verkehrt und danach eine einzige Ganzwaschung (Ghusl) vollzieht. Das Kapitel bezieht sich also auf die Frage, ob es erlaubt ist, nach aufeinanderfolgenden ehelichen Begegnungen mit mehreren Ehefrauen nur einmal Ghusl (Ganzkörperwaschung) zu verrichten.
Die unter diesem Kapitel angeführten Ahadith bedeuten gewiss nicht, dass immer dann, wenn der Heilige Prophetsa das Haus einer seiner edlen Ehefrauen betrat, er notwendigerweise eheliche Beziehungen mit ihr aufnahm. Vielmehr beschreiben die Gefährten in diesen Ahadith voller Stolz die organisatorische Fähigkeit ihres Meisters: Es ist schon für einen Mann überaus schwierig, die Verantwortung für auch nur eine Ehefrau zu erfüllen; dennoch erfüllte der Heilige Prophetsa zugleich die Verantwortungen gegenüber neun Ehefrauen in bester Weise. Dies deshalb, weil Allah, der Erhabene, den Heiligen Prophetsa mit einer derart ausgeprägten Führungskraft ausgestattet hatte, dass er – wären es auch dreißig Ehefrauen gewesen – deren Pflichten in bester Weise hätte erfüllen können.
Nun hat Imam Bukhari durch seine Kapitelüberschrift dieses überaus schöne Thema ausschließlich mit physischen Beziehungen verknüpft. Und die Position der Hadith-Gelehrten zu den Kapitelüberschriften in Sahih al-Bukhari lautet, dass Imam Bukhari durch die Überschrift den Sinngehalt der in diesem Kapitel erwähnten Ahadith ausdrückt – also das, was er selbst aus diesen Ahadith verstanden hat.
Daher sollten Sie jeden einzelnen Hadith in dieser Weise reflektierend erforschen und darüber schreiben, damit der Leser Ihres Artikels erkennt, dass hier tatsächlich ein Gelehrter und Hadith-Spezialist echte wissenschaftliche Forschung vorgelegt hat.