Die Strafen in der Scharia, die oft als "barbarisch" bezeichnet werden, können durch eine Reihe von Gründen und Überlegungen aus der islamischen Perspektive erklärt und begründet werden. Abgesehen von der Tatsache, dass diese Strafen nur einen absoluten Bruchteil der Scharia ausmachen, ist es wichtig, diese in ihrem historischen, kulturellen und theologischen Kontext zu verstehen:
Abschreckung und Prävention: Viele der strengen Strafen in der Scharia, wie die Amputation bei Diebstahl oder die Steinigung bei Ehebruch, dienen als Abschreckung. Sie sollen die Menschen von Verbrechen und moralischen Verfehlungen abhalten. Die Härte der Strafen wird als notwendiges Mittel gesehen, um die Gesellschaft vor größeren Übeln zu schützen und soziale Ordnung zu gewährleisten.
Göttliche Weisung: Gläubige Muslime sehen die Scharia als göttlich offenbartes Rechtssystem, das aus dem Koran und der Sunna des Propheten Muhammad (saw) abgeleitet ist. Daher werden die Strafen als Teil des göttlichen Plans und der göttlichen Gerechtigkeit betrachtet, die von Allah festgelegt wurden. Das Vertrauen in die göttliche Weisheit spielt eine zentrale Rolle bei der Akzeptanz und Anwendung dieser Strafen.
Gerechtigkeit und Wiedergutmachung: In der Scharia ist das Prinzip der Gerechtigkeit von zentraler Bedeutung. Die Strafen sollen nicht nur den Täter bestrafen, sondern auch dem Opfer und der Gesellschaft Gerechtigkeit widerfahren lassen. Im Fall von Diebstahl oder Körperverletzung beispielsweise, zielt die Strafe darauf ab, den Schaden wiedergutzumachen und das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Bedingungen und Beweislast: Es gibt strenge Bedingungen und eine hohe Beweislast für die Verhängung vieler dieser Strafen. Zum Beispiel erfordert die Strafe für Ehebruch die Aussage von vier Augenzeugen, die den Akt eindeutig beobachtet haben. Diese strengen Anforderungen sollen sicherstellen, dass die Strafen nur in eindeutigen Fällen verhängt werden und Missbrauch vermieden wird.