„Und rüstet wider sie, was ihr nur vermögt an Streitkräften und berittenen Grenzwachen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euren Feind und außer ihnen andere, die ihr nicht kennt; Allah kennt sie. Und was ihr auch aufwendet für Allahs Sache, es wird euch voll zurückgezahlt werden, und es soll euch kein Unrecht geschehen.“ (8:61) Erläuterung: Die Gegner des Islams kritisieren in Bezug auf diesen Vers, dass es hier den Muslimen gelehrt werde, Kriege vorzubereiten und Terror zu üben. Dieser Einwand ist keineswegs berechtigt. Der betreffende Vers enthält tiefe Botschaften. Der Verheißene Messias (as) kommentiert diesen Vers so: Als „Ribaat“ werden solche Pferde bezeichnet, die an der Grenze zur Bewachung eingesetzt werden. Allah Ta’ala gebietet den Gefährten, abwehrbereit gegenüber den Feinden zu sein. Das Wort „ribaat“ erinnert sie daran, dass ihre Vorbereitung vollkommen und effektiv sein soll. Den Gefährten waren zwei Aufgaben übertragen worden. Zum einen, die Abwehr von äußeren Feinden (Aggression). Ferner mussten sie eine Abwehr im spirituellen Sinne leisten. „ribaat“ heißt laut Wörterbuch auch das Innere und das menschliche Herz. Hier ist auf subtile Weise darauf hingewiesen, dass nur solche Pferde nützlich sein können, die gezähmt und trainiert sind. Heutzutage wird genauso für das Training der Pferde gesorgt, wie Kinder in den Schulen unterrichtet werden. Wenn sie nicht trainiert und gezähmt werden, so würden sie sich nicht als nützlich erweisen, vielmehr könnte der Einsatz solcher Pferde sich als gefährlich und schädlich erweisen. Hier wird auch darauf hingewiesen: Die Personen (nafus) bzw. Ribaat müssen trainiert und ausgebildet sein. Ihre Kräfte und Fähigkeiten müssen innerhalb der von Gott gesetzten Grenzen ihre Wirkung entfalten. Wenn sie diese nicht tun, so können sie nicht den Kampf gewinnen, der stets im Innern des Menschen gegen den gefährlichen Feind, nämlich Satan, stattfindet. So wie auf dem Kriegsfeld nicht nur Kraft, sondern auch Ausbildung wichtig ist, genauso müssen für diesen Kampf, den der Menschen in seinem Innern führt, die Seelen über die erforderliche Erziehung und Ausbildung verfügen. Wenn dies nicht der Fall ist, so wird die Seele im Kampf gegen den Satan unterlegen sein und wird große Schmach erleben. – Beispielsweise hat jemand zwar Waffen, Kanonen, Gewehre usw., aber sie nicht benutzen kann, so kann er gegen den Feind niemals gewinnen. Ebenso wird einer, der zwar Waffen besitzt und sie benutzen kann, aber keine Kraft hat,
niemals Erfolg erzielen. Aus diesem Beispiel lernt man, dass es nicht genügt, Wissen zu besitzen – z. B. für den Einsatz von Waffen –, sondern man muss durch Training und Übung die notwendige Kraft entwickeln. Wenn jemand mit dem Schwert umgehen kann, aber keine Übung besitzt, so wird er auf dem Kampffeld ein paar Bewegungen mit dem Schwert ausführen und dann werden ihm die Kräfte schwinden. Er wird ermüden und schließlich selbst das Opfer des Feindes werden. Deshalb sollte man sich bewusst sein, dass bloßes Wissen und Handwerk alleine nicht von Vorteil sein können, solange diese von Taten, Übung und Anstrengung begleitet werden. Schaut, die Regierung lässt die Soldaten nicht nutzlos sitzen. Mitten in der Friedenszeit werden zum Zweck des Trainings Kriegsübungen durchgeführt. Gewöhnliche Schussübungen und Paraden finden ja regelmäßig statt. (Report Jalsa Salana, 1897, S. 65-69; Tafseer Hazrat Massih Maud (as), Band II, S. 236f.) Ein anderer Aspekt, der in diesem Vers zur Sprache kommt, ist folgender: Die Muslime werden angewiesen, sich zur eigenen Verteidigung zu rüsten. Dazu sollen sie ihre Kräfte steigern und mit entsprechenden Reitern die Grenzen bewachen. Dies wird den Feind einschüchtern. Darüber hinaus gibt es andere, unbekannte Gegner, diese werden von den Vorbereitungen ebenfalls beeindruckt werden. Der Gegner hält sich nicht an seine Verträge und ist wortbrüchig. Man kann sich nicht nur auf das Versprechen verlassen und die eigene Verteidigung vernachlässigen. Die defensiven Fähigkeiten müssen verstärkt werden, so dass dem Feind nichts übrig bleibt als den Vertrag einzuhalten. Er sollte sehen, dass Muslime an Kraft zunehmen und sich für die eigene Verteidigung gerüstet haben. Dadurch wird der Feind nicht wagen, eure Vertragstreue auszunutzen, da ihr nicht wortbrüchig seid und Ehrlichkeit nicht aus der Hand gebt. Kurzum, der Friedensvertrag ist richtig, aber man muss auch gleichzeitig für die eigene Verteidigung sorgen. Auf diesen Aspekt bezieht sich der Begriff Ribaat ul Ìail (berittene Grenzposten). Wo Gefahr ist, da muss den Gegnern die Verteidigungsfähigkeit sichtbar sein. Sie sollten wissen, dass die Grenze an keiner Stelle unbewacht oder ungesichert ist. Der Feind darf nicht einmal im Traum daran denken, er könnte einen Überraschungsangriff gegen die Muslime führen. Damit wird der Feind bei seinen kriegerischen Absichten entmutigt. Ein weiteres Ziel, das mit solchen Maßnahmen erreicht werden soll, ist dieses: Die Angriffe des Feindes sollen mit solcher Entschlossenheit und Härte begegnet werden, dass es andere Feinde das Fürchten lehrt. Dies soll nicht aus Hartherzigkeit oder Grausamkeit geschehen. Vielmehr soll die andere Seite davon abgehalten werden, einen sinnlosen Krieg zu führen. Der Vers enthält eine Botschaft, die dem entgegengesetzt ist, die die Kritiker ihm zuschreiben. Wenn einige Unbelehrbare hart bestraft werden, so wird die Mehrheit an ihnen ein Beispiel nehmen und Kriegspläne aufgeben. Und diese Vorgehensweise soll nicht bei Kriegen eingehalten werden, sondern auch bei der Verteidigungsvorbereitung. Wenn man die eigenen Grenzen unter Einsatz aller Kräfte bewacht und beschützt, so wird dies auch anderen Feinden bekannt werden, die dann niemals daran denken werden, eine Aggression auszuüben. Diese für den Feind sichtbaren Sicherheitsmaßnahmen sind notwendig, um dauerhaft den Frieden zu erhalten. (MTA-Sendung vom 30.11.95, Quran-Übersetzung mit Hazrat Khalifatul Massih IV.)