Allah der Allmächtige erklärt im Heiligen Qur’an in der Sura an-Nisa:

إِنَّ الصَّلَاةَ كَانَتْ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ كِتَابًا مَّوْقُوتًا

„Wahrlich, das Gebet zu bestimmten Zeiten ist den Gläubigen eine Pflicht.“ (Sura an-Nisa, 4:104)

Das hier verwendete Wort ist „mauqūtan“. Es leitet sich von „waqt“, also „Zeit“, ab. So wie die Sonne nach einem bestimmten Rhythmus auf- und untergeht, soll auch unser geistiges Leben durch die täglichen Gebete auf diesen Rhythmus ausgerichtet sein.

Dann sagt Allah der Allmächtige in der Sura al-Baqarah:

حَافِظُوا عَلَى الصَّلَوَاتِ وَالصَّلَاةِ الْوُسْطَىٰ

„Wacht über die Gebete und das mittlere Gebet.“ (Sura al-Baqarah, 2:239)

In diesem Vers werden die Gläubigen dazu aufgefordert, ihre Gebete zu bewahren und gewissenhaft einzuhalten. Eine wesentliche Art, die Gebete zu bewahren, besteht darin, sie jeweils getrennt zu ihren vorgeschriebenen Zeiten zu verrichten. Der Vers hebt ausdrücklich das „mittlere Gebet“ (Salat-ul-Wusta) hervor. Nach Hazrat Musleh-e-Maud (ra) ist damit das Gebet gemeint, das in eine Zeit fällt, in der ein Mensch am stärksten mit weltlichen Angelegenheiten beschäftigt ist. Daher ist ein voller oder stressiger Tagesablauf allein kein ausreichender Grund, die Gebete zusammenzulegen. Vielmehr besteht der Befehl des Qur’an darin, sich gerade von diesen weltlichen Beschäftigungen zu lösen und sich vor Allah dem Allmächtigen niederzuwerfen. Die Bedeutung der Pünktlichkeit beim Gebet wird auch in den Ahadith hervorgehoben.

Hazrat Abdullah (ra) berichtet: „Ich fragte den Heiligen Propheten (saw), welche Tat bei Allah am liebsten sei. Der Heilige Prophet (saw) antwortete: ‚Das Gebet zu seiner vorgeschriebenen Zeit zu verrichten.‘ Ich fragte: ‚Und danach?‘ Er antwortete: ‚Güte gegenüber den Eltern.‘ Ich fragte: ‚Und danach?‘ Er sagte: ‚Der Dschihad auf dem Weg Allahs.‘“ (Sahih al-Bukhari, Hadith 527)

Der Verheißene Messias (as) kam, um das vollkommene Gleichgewicht des Islam wiederherzustellen. Er lehrte uns, dass der Islam zwar eine Religion der Erleichterung ist, aber keine Religion der Bequemlichkeit und Faulheit.

Wann ist es also erlaubt, die Gebete zusammenzulegen?

Das Zusammenlegen der Gebete ist eine Rukhsah, also eine von Allah dem Allmächtigen gewährte Erleichterung. Sie ist für Zeiten echter Schwierigkeiten gedacht und nicht lediglich für Bequemlichkeit. Dazu können unter anderem folgende Situationen gehören: 1. Reise: Wenn man sich auf einer Reise befindet und dadurch der normale Tagesablauf erheblich beeinträchtigt wird. 2. Krankheit: Wenn körperliche Schwäche dazu führt, dass die getrennte Verrichtung der Gebete eine erhebliche Belastung darstellt. 3. Extremes Wetter: Bei starkem Regen oder gefährlichen Wetterbedingungen, durch die der Weg zur Moschee gefährlich wird. 4. Unaufschiebbare berufliche Verpflichtungen: Wenn das Verlassen des Arbeitsplatzes einen erheblichen Schaden verursachen würde, beispielsweise bei einem Chirurgen während einer Operation oder bei einem Soldaten, der einen wichtigen Ort bewacht. 5. Arbeitsplatzbedingungen: Wenn ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer nicht erlaubt, für die einzelnen Gebete entsprechende Pausen einzulegen. Ein gewöhnlich voller oder stressiger Arbeitsplan ist grundsätzlich kein ausreichender Grund. Ein Gläubiger sollte sich bemühen, mit seinem Arbeitgeber eine Lösung zu finden, die ihm die Ausübung seiner religiösen Pflichten ermöglicht. 6. Gemeinschaftliche Veranstaltungen: Bei größeren Versammlungen oder Veranstaltungen, bei denen es für alle Teilnehmer schwierig ist, sich rechtzeitig auf das nächste Gebet vorzubereiten und es innerhalb seiner Zeit zu verrichten.

Ein häufiges Missverständnis betrifft das Zusammenlegen der Gebete aufgrund der kurzen Tageszeiten im Winter oder der sehr langen Tage und späten Nächte im Sommer.

In solchen Zeiten können Gebete in der Moschee zusammengelegt werden, um die gemeinschaftliche Verrichtung zu erleichtern. Für Männer kann es beispielsweise unpraktisch sein, innerhalb eines sehr kurzen Zeitfensters zweimal zur Moschee zu kommen. Diese Erleichterung gilt jedoch nicht automatisch für eine Person, die bequem zu Hause sitzt.

Wenn jemand nicht zur Moschee geht und keine anderen persönlichen Hindernisse bestehen, sollte er die Gebete weiterhin getrennt zu ihren vorgeschriebenen Zeiten verrichten.

Der Heilige Prophet (saw) sagte: جُعِلَتْ لَنَا الأَرْضُ كُلُّهَا مَسْجِدًا

„Die ganze Erde ist für uns zu einer Moschee gemacht worden.“ (Sahih Muslim, Hadith 522)

Wenn eine Person die Moschee nicht erreichen kann, wird ihr Zuhause zu ihrem Ort der Anbetung. Die normalen Regeln bezüglich der Gebetszeiten bleiben dabei bestehen. Wir müssen darauf achten, dass eine Ausnahme nicht zur Regel wird. Hazrat Musleh-e-Maud (ra) bezeichnete das grundlose und gewohnheitsmäßige Zusammenlegen der Gebete als eine geistige Krankheit. Er sagte: „Das Gebet sollte pünktlich verrichtet werden. Wenn jedoch ein besonderer Anlass eintritt und das Gebet zusammengelegt werden muss, dann ist dies erlaubt. Aber ich sehe, dass in unserer Gemeinschaft die Menschen die Gebete vorschnell zusammenlegen. Diese Krankheit des Zusammenlegens der Gebete hat sich weit verbreitet; so sollte es nicht sein. Wenn jemand Anstoß daran nimmt, dass du während eines Gesprächs aufstehst, um das Gebet zu verrichten, dann soll er sich eben darüber ärgern. Kümmere dich nicht um eine solche Person und verrichte dein Gebet pünktlich. Die Worte يُقِيمُونَ الصَّلَاةَ – ‚sie verrichten das Gebet‘ – erscheinen im Heiligen Qur’an, weil das Gebet zu seiner entsprechenden Zeit verrichtet werden sollte.“ (Nasa’ih Muballighin, Anwar-ul-Ulum, Band 3, S. 390)

Wenn Gebete regelmäßig zusammengelegt werden, nur um sie „hinter sich zu bringen“, vermitteln wir Allah dem Allmächtigen damit den Eindruck, dass unsere weltlichen Beschäftigungen für uns wichtiger sind als Seine Gebote. Eine solche nachlässige Haltung steht im Gegensatz zum Zustand eines wahren Gläubigen.

Allah der Allmächtige warnt uns in der Sura al-Ma’un vor dieser Nachlässigkeit: فَوَیۡلٌ لِّلۡمُصَلِّیۡنَ ۙ۔ الَّذِیۡنَ ہُمۡ عَنۡ صَلَاتِہِمۡ سَاہُوۡنَ ۙ۔

„So wehe denen, die Gebete sprechen, doch ihres Gebetes uneingedenk sind“ (Sura al-Ma’un, 107:5–6)

„Uneingedenk“ zu sein bedeutet nicht nur, das Gebet vollständig zu vergessen. Es bezieht sich auch auf diejenigen, die das Gebet als eine Last betrachten, es ohne Grund hinauszögern oder den besonderen Charakter der einzelnen täglichen Gebete dadurch beeinträchtigen, dass sie diese leichtfertig mit anderen Gebeten zusammenlegen. Unsere Gebete können uns nur dann wirklich nützen, wenn wir sie auf die richtige Weise verrichten.