Aus islamischer Sicht beginnt die Verpflichtung zur vorgeschriebenen Bedeckung mit dem Erreichen der Religionsmündigkeit, die an den Eintritt der Pubertät geknüpft ist. Ab diesem Zeitpunkt gelten Mädchen im religiösen Sinne als erwachsen und unterliegen den gleichen islamischen Pflichten wie das Gebet und das Fasten, weshalb sie gegenüber geschlechtsfremden Erwachsenen (Nicht-Mahrams) die vorgeschriebene Kleidung und Bedeckung einhalten müssen. Vor dem Erreichen der Pubertät sind Kinder von diesen rituellen Verpflichtungen befreit, wobei die islamische Erziehung vorsieht, Heranwachsende bereits in den Jahren zuvor behutsam und ohne Zwang an diese Werte heranzuführen, damit sie die religiösen Gebote später aus eigener Überzeugung erfüllen.
Im Heiligen Koran heißt es: „Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen und dass sie ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon sichtbar sein muss, und dass sie ihre Schleier über ihren Busen ziehen sollen und ihre Reize vor niemandem enthüllen als vor ihren Gatten oder ihren Vätern oder den Vätern ihrer Gatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Gatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder den Söhnen ihrer Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die ihre Rechte besitzen, oder solchen von ihren männlichen Dienern, die keinen Geschlechtstrieb haben, und den Kindern, die von der Blöße der Frauen nichts wissen. Und sie sollen ihre Füße nicht zusammenschlagen, sodass bekannt wird, was sie von ihrem Zierat verbergen. Und bekehret euch zu Allah insgesamt, o ihr Gläubigen, auf dass ihr erfolgreich seiet.“ (24:32)
Aus diesem Vers wird deutlich, dass das Gebot für alle Frauen gilt und sie ihre Reize bedecken sollen. Dass extra erwähnt wird, den Busen zu bedecken, zeigt, dass es hier um erwachsene Frauen geht, für die diese Regeln völlig verpflichtend sind. Damit Mädchen nicht plötzlich mit der Pubertät überfordert sind, sollen es Eltern ihnen schon im Kindes Alter erklären und sie schrittweise daran gewöhnen.
Dazu erklärte Hadhrat Khalifatul Masih V (atba):
„Wenn ihr fünf Jahre alt seid, solltet ihr nicht hinausgehen, ohne unter eurem Kleid eine Leggings zu tragen. Eure Beine sollten bedeckt sein, damit ihr allmählich das Gefühl entwickelt, dass eure Kleidung immer bedeckender und sittsamer werden sollte. Ihr solltet keine ärmellosen Kleider tragen. Wenn ihr dann sechs oder sieben Jahre alt werdet, solltet ihr noch sorgfältiger darauf achten, Leggings zu tragen. Und wenn ihr zehn Jahre alt werdet, solltet ihr versuchen, euch daran zu gewöhnen, eine Art Kopftuch zu tragen. Wenn ihr elf Jahre alt werdet, solltet ihr euer Kopftuch richtig tragen. Es sollte kein Problem sein, ein Kopftuch zu tragen. Selbst die Menschen hier tragen im Winter Schals. Sie bedecken doch ihre Ohren, weil es kalt ist, nicht wahr? Das ist lediglich ein Schal. Tragt eure Schals auf diese Weise. Manche Mädchen sehen selbst mit zehn Jahren noch sehr jung aus. Andere sehen aus wie zwölfjährige Mädchen, obwohl sie erst zehn sind. Aufgrund ihrer Körpergröße können sie älter wirken. Daher sollte jedes Mädchen darauf achten: Wenn sie älter aussieht, sollte sie ein Kopftuch tragen. Wenn ihr euch schon in jungen Jahren daran gewöhnt, ein Kopftuch zu tragen, werdet ihr euch nicht dafür schämen. Andernfalls werdet ihr euch möglicherweise euer ganzes Leben lang dafür schämen. Wenn ihr sagt: ‚Ich werde ein Kopftuch tragen, wenn ich zwölf, dreizehn oder vierzehn bin‘, dann wird diese Denkweise bestehen bleiben und euch durch eure Scham davon abhalten. Ihr werdet sagen: ‚Oh nein, die anderen Mädchen werden sich über mich lustig machen. Wenn ich ein Kopftuch trage, werden sie mich auslachen.‘ Deshalb solltet ihr versuchen, euch manchmal an das Tragen eines Kopftuchs zu gewöhnen. Beginnt im Alter von sieben, acht oder neun Jahren, ein Kopftuch zu tragen, und tragt es auch vor anderen Mädchen, damit ihr euch nicht mehr dafür schämt. Wenn ihr dann beginnt, älter auszusehen, solltet ihr das vollständige Kopftuch richtig tragen. Was die älteren Mädchen betrifft, so ist es für sie notwendig zu verstehen, dass das Wesentliche und der Hauptzweck des [Kopftuchs bzw. Schleiers] die Sittsamkeit ist. Und diejenigen, die unter westlichen oder europäischen Einfluss geraten sind, sollten wissen, dass auch die Menschen hier früher Kleider trugen, die sehr lang waren. Sie trugen lange Maxikleider. Heute laufen sie unbedeckt herum, nicht wahr? Es geht darum, dass Männer als anständig und gut gekleidet gelten, wenn sie Hosen tragen und ein Jackett sowie eine Krawatte tragen. Frauen hingegen wird gesagt, dass sie gut gekleidet aussehen, wenn sie Miniröcke tragen. Ich verstehe diese Philosophie nicht. Deshalb richtet eure Aufmerksamkeit nicht auf Männer. Und denkt daran: Frauen, die sich entblößen, setzen in Wirklichkeit ihre eigene Würde herab. Daher liegt die Würde eines gläubigen Mädchens und einer gläubigen Frau darin, ihre Sittsamkeit zu wahren, denn das Wesentliche ist die Sittsamkeit. Diese Sittsamkeit hält andere davon ab, euch mit bösen Absichten anzusehen.“
— Seine Heiligkeit Hazrat Mirza Masroor Ahmad (aba), Al Hakam (https://www.alhakam.org/answers-to-everyday-issues-part-i)