Ahmadi-Muslime folgen denselben heiligen Schriften und Lehren wie alle anderen Muslime. Der wesentliche Unterschied besteht jedoch darin, dass Ahmadi-Muslime glauben, dass der Verheißene Messias (auch als Mahdi bezeichnet) der Endzeit bereits erschienen ist und im Jahr 1889 die Ahmadiyya Muslim Jamaat gegründet hat. Diese Bewegung versteht sich als Erneuerungsbewegung des Islam, ohne neue Gesetze oder Offenbarungen zu bringen. Ihr Ziel ist es, den wahren Islam, wie ihn der Heilige Prophet Muhammad (saw) gelehrt hat, wiederzubeleben. Andere Muslime hingegen erwarten das Kommen dieses Reformators noch.
Wie alle anderen Muslime glauben auch Ahmadi-Muslime an die fünf Säulen des Islam und die sechs Glaubensartikel. Sie folgen dem Heiligen Qur’an und glauben, dass der Islam die letzte und vollkommene Religion für die Menschheit ist. Sie erkennen den Heiligen Propheten Muhammad (saw) als Khatam an-Nabiyyin (Siegel der Propheten) an – das heißt, dass er der vollkommene Prophet ist, der die endgültige Botschaft Gottes gebracht hat.
Ahmadi-Muslime richten sich bei der religiösen Lebensführung und Rechtsfindung nach denselben Hauptquellen wie andere Muslime:
Der Heilige Qur’an Die Sunnah (Praxis des Heiligen Propheten saw) Die Hadithe (Aussprüche des Heiligen Propheten saw), wie sie in authentischen Sammlungen wie Sahih Bukhari, Sahih Muslim, Sunan Abu Dawud, Tirmidhi, Ibn Madscha und Nasa’i überliefert sind. Zusätzlich schätzen Ahmadi-Muslime die Rechtsauslegungen klassischer islamischer Gelehrter. Oft orientieren sie sich an der hanafitischen Rechtsschule, doch stets im Licht der Erläuterungen des Verheißenen Messias (as).
Wie in früheren Religionen vorhergesagt, war auch für die Muslime ein allmähliches Abweichen von den ursprünglichen Lehren vorherbestimmt. Der Heilige Prophet Muhammad (saw) prophezeite, dass nach einem solchen Niedergang ein Messias erscheinen werde, um den Islam zu erneuern. Der entscheidende Unterschied zwischen Ahmadi-Muslimen und anderen Muslimen liegt also nicht im Glaubenssystem, sondern in der Frage, ob dieser Messias bereits erschienen ist.
In einigen Hadithen wird dieser Messias als „Jesus, Sohn der Maria“ und in anderen als „al-Mahdi“ bezeichnet. Interessanterweise finden sich ähnliche Prophezeiungen in anderen Religionen, z. B. erwarten Christen die Wiederkunft Jesu (as).
Ahmadi-Muslime glauben, dass all diese Prophezeiungen durch Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (as) aus Qadian (Indien) erfüllt wurden. Er erklärte, dass er im geistigen Sinne Jesus (as) sei, dessen Wiederkunft erwartet wurde – jedoch nicht körperlich, sondern in seiner spirituellen Rolle als Messias und Mahdi.
Andere Muslime glauben hingegen, dass Jesus (as) leiblich in den Himmel aufgefahren sei und eines Tages leiblich zurückkehren werde, um unter anderem alle Schweine zu töten, Kreuze zu zerstören und den Islam durch Zwang zu verbreiten.
Ahmadi-Muslime sehen diese Aussagen als sinngemäß und bildlich gemeint: – Die „Tötung der Schweine“ steht symbolisch für die Beseitigung unreiner Lehren. – Das „Zerbrechen der Kreuze“ bedeutet die Widerlegung falscher Vorstellungen über das Christentum. – Die Ausbreitung des Islam soll durch überzeugende Argumente und spirituelle Reinheit erfolgen, nicht durch Zwang.
Heute ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat in über 200 Ländern vertreten und zählt weltweit zig Millionen Mitglieder. Sie ist bekannt für ihre Friedfertigkeit und ihren Leitsatz: „Liebe für alle – Hass für keinen“, ein Motto, das den wahren Geist des Islam widerspiegelt.