In Mekka angekommen führen die Pilger ein sogenanntes ṭawāf oder die Umrundung der Kaaba durch, ein quaderförmiges Gebäude im Herzen der Moschee Al-Haram, die heiligste Moschee, nach der sich die Muslime auf der ganzen Welt bei der Verrichtung des ṣalāt oder des formalen Gebets richten. Die Pilger beginnen das sogenannte ṭawāf-e qudūm an der Position des Schwarzen Steins, einem ungeformten Stein, der in der südöstlichen Ecke der Kaaba angebracht ist. Historisch gesehen existiert die Kaaba schon vor der Zeit AbrahamsAS, der ihre Grundmauern mit seinem Sohn IsmaelAS wieder aufrichtete. Der Schwarze Stein ist der einzige erhaltene Stein vom ursprünglichen Kaaba-Gebäude. Zu Zeiten der Götzenverehrung galten ungeformte Steine als Symbole der Einheit Gottes, weil Steine meist zu Götzenfiguren geschnitzt wurden. Muslime verbinden keine übernatürlichen Kräfte mit dem Schwarzen Stein, sondern nehmen ihn als Symbol der Einheit Gottes wahr. Sie betrachten es als ein großes Privileg, den Stein zu küssen, um ihre Liebe zum einzig wahren Schöpfer, Allah, auszudrücken.
Zu Beginn jeder Runde des ṭawāf blicken die Pilger zuerst auf den Stein und rezitieren folgendes: »Im Namen Allahs, Allah ist der größte. Aller Preis gebührt Allah«, und mit der Kaaba zu ihrer Linken gehen sie gegen den Uhrzeigersinn um die Kaaba herum und umrunden das Gebäude siebenmal. Die Kaaba befindet sich auf der linken Seite der Pilger, um die Funktion hinter dem Gebäude zu symbolisieren: die Anbetung. Gemäß der islamischen Lehre ist es so, wenn es zwei Betende gibt, die in Gemeinschaft beten, steht der Imam oder der Leiter des Gebetes immer links. So rezitieren die Pilger weiterhin talbiya und verherrlichen Gott und bitten Ihn um Vergebung. Die Schrittgeschwindigkeit ist in den ersten drei Runden höher und erreicht in den letzten vier Runden wieder eine normale Geschwindigkeit.
Hinter der Wahl der sieben Umrundungen birgt sich eine tiefe Bedeutung. Im Arabischen steht die Zahl sieben für Vollendung. Laut dem Heiligen Qur’an gibt es im ganzen Universum sieben Himmel.1 Das erste Kapitel des Heiligen Qur’an gilt als die vollständige Quintessenz der gesamten islamischen Lehre und enthält auch sieben Verse. Es gibt sieben Tage in der Woche. Außerdem gibt es sieben Tore zur Hölle. Durch die Umrundung mit reiner Absicht schließen die Pilger symbolisch die Tore der Hölle nacheinander zu und meiden alle Formen des Bösen. Die sieben Tore der Hölle können auch als die sieben Sinne betrachtet werden, durch die ein Mensch weltliche Eindrücke wahrnimmt: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Schmerz und Temperatur.