Autor: Hadhrat Mirza Tahir Ahmad (rh)

Die vom Qur‘an dargebotene Auffassung des Universums unterscheidet sich meilenweit von den von den Philosophen und Weisen aller vergangenen Zeitalter vertretenen Ansichten. Zur Zeit der qur‘anischen Offenbarung war es die griechische Astronomie, die die Gemüter der Menschen überall auf der Welt beherrschte, und alle Zivilisationen scheinen davon beeinflusst worden zu sein. Diese Vorherrschaft dauerte ununterbrochen bis zur Zeit von Kopernikus an. Man glaubte allgemein, dass die Himmel lagenweise aus irgendeinem transparenten Plastikmaterial bestünden, das mit hellen Himmelskörpern, die wir als Sterne kennen, übersät wäre. Um es genauer zu sagen, das Folgende war die Summe des gesamten Wissens der Menschen jenes Zeitalters:

1. Die Erde setzte sich aus einer Masse von Staub, Gestein, Wasser, Luft und Mineralien zusammen. Sie wäre eine stillstehende Masse, mit einer beinahe flachen Oberfläche, sich weder um sich selbst drehend noch irgendeinen anderen Himmelskörper umkreisend.

2. Die Erde nahm im Kosmos eine einzigartige Stellung ein, desgleichen nirgends im All existierte. Sie blieb fest und stillstehend an ihrem Platz verankert, während die Himmel sie fortwährend umkreisten.

Offensichtlich schloss diese Vorstellung des Universums die Möglichkeit der Existenz von anderweitigem Leben aus. Die einzige Wohnstätte für Leben, die die Menschen jenes Zeitalters kannten, war diese Erde – mitten im All schwebend, wie sie meinten. Im Gegenteil hierzu gibt der Qur‘an weder die Einzigartigkeit der Erde noch deren Stillstehen zu. Hinsichtlich der Anzahl von Erden sagt er:

„Allah ist es, der sieben Himmel erschuf und von der Erde eine gleiche Zahl…“     (Der Heilige Qur’an 65:13)

Es muss hier erklärt werden, dass die Zahl „sieben“ in diesem und vielen anderen ähnlichen Versen als besonderer Ausdruck des Qur‘an betrachtet werden kann. Als solcher würde er bedeuten, dass das Universum viele solcher Himmelseinheiten umfasst, eine jede in Gruppen von sieben (eine perfekte Zahl) eingeteilt, jede mindestens eine vom gesamten System jenes Himmels (Milchstraße) aufrechterhaltene Erde enthaltend. Sich auf jenes System allgemein beziehend, lautet ein hinsichtlich der Existenz außerirdischen Lebens mehr in die Einzelheiten gehender Vers wie folgt:

 „Und unter seinen Zeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und jeglicher Lebewesen (d?bba), die Er in beiden verstreut hat…“ (Der Heilige Qur’an 42:30)

D?bba umfasst alle Tiere, die kriechen oder sich auf dem Erdboden fortbewegen. Es bezieht sich nicht auf Tiere, die fliegen oder schwimmen. Es bezieht sich gewiss nicht auf irgendeine Form spirituellen Lebens. Im Arabischen wird sich weder auf einen Geist noch auf einen Engel je als auf d?bba bezogen. Der zweite Teil des Verses spricht nicht nur von der Möglichkeit außerirdischen Lebens, sondern erklärt kategorisch, dass es existiert – eine Behauptung, die selbst die fortschrittlichsten wissenschaftlichen Forscher bislang noch mit keinem Maß an Gewissheit haben aufstellen können. Dennoch ist dies nicht alles, was der Vers enthüllt. Wunder über Wunder wird hinzugefügt, wenn wir am Ende des Verses lesen, dass Er (Allah) das Leben in den Himmelkörpern und das Leben auf der Erde zusammenführen wird, wenn Ihm beliebt:

 „…und Er hat die Macht, sie zu versammeln allesamt, wenn es Ihm gefällt.“          (Der Heilige Qur’an)

?am?ihim ist der arabische Ausdruck in diesem Vers, der besonders von der Zusammenführung des Lebens auf der Erde und des Lebens anderswo spricht. Wann dieses Zusammentreffen der beiden stattfinden wird, wird nicht angegeben, noch wird erwähnt, ob es sich hier auf Erden zutragen wird oder anderswo. Eine Sache wird jedoch besonders erwähnt: dieses Ereignis wird bestimmt eintreffen, wann immer es Gott beliebt. Man möge bedenken, dass das Wort ?ama? entweder physischen Kontakt oder auch Kontakt durch Kommunikation bedeuten kann. Nur die Zukunft wird berichten, wie und wann dieser Kontakt stattfinden wird, aber die bloße Tatsache, dass eine solche Möglichkeit vor mehr als vierzehn Jahrhunderten auch nur vorausgesagt wurde, ist selbst ein Wunder.

 Diese Offenbarung des Qur‘an fand zu einer Zeit statt, als die Kosmologie als Wissenschaft noch nicht entstanden war. Ein anderes Zeitalter vermeintlicher Vorstellung herrschte vor, das einen langen Weg zu gehen hatte, bevor es sich die Existenz außerirdischen Lebens vorstellen konnte. Selbst heutzutage werden derartige Behauptungen nur in „Science-Fiction“ angefunden.

Ist es nicht erstaunlich, dass, was der Qur‘an vor vierzehn Jahrhunderten als Tatsache versicherte, den heutigen Wissenschaftlern erst jetzt als eine erreichbare Wirklichkeit zu erscheinen beginnt! Der Qur‘an geht einen Schritt weiter, wenn er voraussagt, dass der Mensch eines Tages mit außerirdischem Leben Kontakt aufnehmen wird.

Die Zeit des vollkommenen Verstehens dieser Prophezeiung ist noch nicht gekommen, aber dessen Zeichen erscheinen am Horizont. Dies zeigt, dass die Prophezeiungen des Qur‘an dem menschlichen wissenschaftlichen Fortschritt vorauseilen. Jedes neue Zeitalter bezeugt die Erfüllung einiger weiterer Offenbarungen, die frühere Zeitalter nicht bezeugen konnten. Daher sollte klar verstanden werden, dass qur‘anische Offenbarungen wesentlich anderen Wesens sind als das in „Science-Fiction“ angedeutete.

Es ist nie ungewöhnlich gewesen, dass die menschliche Einbildungskraft vom Sprungbrett von hinsichtlich der Natur bekannten Tatsachen aus in Richtung zukünftiger Dinge abspringt. Aber selten bezeugt die Zukunft die von derartig erfundenen Flügen angedeuteten Voraussagen. Außerdem beschränken sich alle erfundenen Werke unweigerlich auf die vom Wissen des Zeitalters erschaffenen Möglichkeiten. Verfasser von erzählender Literatur entnehmen ihren Hinweis stets von allgemeinem Wissen, um sich vorzustellen, was in der Zukunft erscheinen möge. Meistens erweisen sich ihre Vermutungen jedoch als so weit wie möglich von der Wirklichkeit entfernt. Die Zukunft, wie sie geformt ist, folgt nicht dem von ihren Vorstellungen Vorgeschlagenen. Dies kann nur zu dem unweigerlichen Schluss führen, dass die Ausübung der menschlichen Einbildung im Verhältnis zum Unbekannten ihre Grenzen hat.

Um diese Einschränkung irgendeines gewissen Zeitalters hinsichtlich des Bereichs der Einbildung zu veranschaulichen, kann das Genie Leonardo da Vinci als ein passendes Beispiel angeführt werden. Er versuchte, sich die Möglichkeit des menschlichen Fluges vorzustellen, konnte es sich jedoch nur in Beziehung zu dem derzeitig vorhandenen Wissen vorstellen. Wissenschaft und Technik waren bis dahin noch nicht bis zu einer Stufe fortgeschritten, da der menschliche Verstand sich vorstellen konnte, dass der Mensch mit Hilfe von durch Feuer angetriebenen Maschinen fliegen können würde. Somit befand sich selbst die Vorstellung eines einfachen Flugzeugs jenseits der Grenzen der Möglichkeiten von Leonardo.

Der Fall göttlicher Schriften ist jedoch eine ganz andere Sache, und das darin zum Ausdruck gebrachte Wissen kann nicht auf irgendein bestimmtes Zeitalter beschränkt werden. Außerdem hat der Zufall in ihrer Erfüllung keine Rolle zu spielen. Die wissenschaftlichen Entdeckungen nachfolgender Zeitalter haben keine qur‘anische Prophezeiung je als falsch erwiesen.

Also müssen wir zwecks Verwirklichung selbst derartiger Prophezeiungen, deren Entscheidung in der Zukunft liegt, mit wohlbegründeter Hoffnung vorwärtsblicken. Die Prophezeiung hinsichtlich des Zusammentreffens von Leben hier und dem Leben anderswo gehört derselben Kategorie an, die bislang noch unerfüllt bleibt. Mögen wir lange genug leben, um den herrlichen Tag zu sehen, wenn das Leben auf der Erde irgendeine Art von Kommunikation mit dem Leben im All herstellen wird.

Quelle: https://ahmadiyya.de/bibliothek/art/offenbarung-vernunft-wissen-wahrheit/